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Trennklasse nach EN 50174-2: Mindestabstand berechnen

Heddesheim,
31. Juli 2026
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Trennklasse nach EN 50174-2: Mindestabstand berechnen

Datenkabel und Stromkabel dürfen nicht einfach nebeneinander in dieselbe Trasse. Das weiß jeder, der schon einmal eine Netzwerkverkabelung geplant hat. Wie groß der Abstand tatsächlich sein muss, wissen dagegen die wenigsten genau und pauschale Faustregeln führen in der Praxis schnell zu unnötig hohem Aufwand oder schlimmer, zu Störungen im späteren Betrieb.

Die Antwort liefert die Norm EN 50174-2. Sie legt fest, wie weit Kupfer-Datenkabel und Energiekabel bei gemeinsamer Verlegung auseinanderliegen müssen, damit elektromagnetische Störungen ausbleiben. Maßgeblich dafür ist die sogenannte Trennklasse des Datenkabels. Dieser Beitrag erklärt, was sich dahinter verbirgt und worauf es bei der Planung ankommt.

Warum der Abstand überhaupt eine Rolle spielt

Liegen Energieleitungen und Datenkabel über längere Strecken parallel und in geringem Abstand, entstehen kapazitive und induktive Kopplungen zwischen den Leitungen. Das elektrische Feld der Energieleitung wirkt dann auf das Datenkabel ein und kann die Signalqualität beeinträchtigen, insbesondere bei hohen Übertragungsraten. Je größer der Abstand oder je besser die Schirmung des Datenkabels, desto geringer dieser Effekt.

Die EN 50174-2 (VDE 0800-174-2:2018-10) fasst diese Zusammenhänge in konkrete Planungsvorgaben. Berücksichtigt werden dabei die Trennklasse des Datenkabels, Art und Leistung der Energiekabel, deren Schirmung sowie die Verlegeart, etwa offene Trasse, Metallkanal oder Trennsteg.

Die vier Trennklassen im Überblick

Die Norm unterscheidet vier Trennklassen A bis D. Sie beschreiben die Kopplungsdämpfung des Datenkabels, also seine Fähigkeit, elektromagnetische Störungen abzuschirmen.

TrennklasseKopplungsdämpfung (30–100 MHz)Typischer Kabeltyp
D≥ 80 dBS/FTP Kat. 7 / Kat. 7A
C≥ 55 dBKat. 5/6/6A, gut geschirmt, z. B. S/FTP, F/UTP
B≥ 40 dBKat. 5/6/6A, geringere Schirmqualität
A< 40 dBUngeschirmt (U/UTP)

Die Regel dahinter ist einfach: Je höher die Trennklasse, desto besser die Schirmwirkung und desto geringer darf der Abstand zu Energiekabeln sein. Wichtig für die Praxis: Die Trennklasse ergibt sich aus dem tatsächlich gemessenen Kopplungsdämpfungswert des jeweiligen Kabels, nicht automatisch aus der Kategorie. Ein Kat. 6A-Kabel kann je nach Schirmaufbau Trennklasse C oder D erreichen, ein einfaches U/UTP-Kabel bleibt bei Klasse A.

Wie groß muss der Abstand tatsächlich sein?

Die Norm gibt dafür Grundabstände vor, gestaffelt nach Trennklasse und Verlegeart:

TrennklasseOhne TrennwandOffener MetallkanalLochblech-KanalMassiver Metallkanal
D10 mm8 mm5 mm0 mm
C50 mm38 mm25 mm0 mm
B100 mm75 mm50 mm0 mm
A300 mm225 mm150 mm0 mm

Quelle: elektro.net

Bei einem geerdeten massiven Metalltrennsteg oder getrennt geführten Metallkanälen sinkt der Abstand für jede Trennklasse auf 0 mm.

Der tatsächlich einzuhaltende Abstand A ergibt sich erst aus der Formel A = S × P, wobei S der Grundabstand aus obiger Tabelle ist und P ein Faktor, der Anzahl und Stromstärke der Energiestromkreise berücksichtigt. Bei 1 bis 3 Stromkreisen mit 20 A und 230 V liegt P bei 0,2, bei 16 bis 30 Stromkreisen bei 2, bei mehr als 75 Stromkreisen bei 6.

Ein Beispiel macht das greifbar: Ein Bürobereich mit 5 Stromkreisen (P = 0,4) und einem Datenkabel der Trennklasse C (S = 50 mm ohne Trennwand) benötigt lediglich A = 50 mm × 0,4 = 20 mm Abstand. Bei Trennklasse A wären es unter denselben Bedingungen bereits 120 mm. Der Unterschied entscheidet in vielen Projekten darüber, ob eine gemeinsame Trasse überhaupt möglich ist, oder ob zusätzliche Kanäle und Trennstege eingeplant werden müssen.

Was das für Ihr Projekt bedeutet

Eine höhere Trennklasse beim Datenkabel ist kein Selbstzweck, sie zahlt sich in der Praxis auf mehreren Ebenen aus:

  • Weniger Planungs- und Installationsaufwand, geringere Kosten: Kleinere Abstände oder der Verzicht auf zusätzliche Trennstege sparen Platz und Montagezeit, besonders wenn Energie- und Datenleitungen ohnehin gemeinsam geführt werden sollen.
  • Mehr Spielraum bei beengten Verhältnissen: In Bestandsgebäuden, Doppelböden oder Deckenbereichen mit wenig Platz lässt sich die Norm mit einer hochwertig geschirmten Verkabelung auch dann einhalten, wenn große Abstände baulich nicht umsetzbar wären.
  • Zukunftssicherheit für die gesamte Nutzungsdauer: Passive Verkabelung bleibt oft über Jahrzehnte im Gebäude, während Energiedichte und Datenraten weiter steigen. Eine höhere Trennklasse schafft dafür Reserven.
  • Der Blick aufs Gesamtprojekt statt nur auf den Kabelpreis: Ein etwas teureres, besser geschirmtes Kabel kann durch geringeren Installationsaufwand die Gesamtkosten senken. Wer nur den Kabelpreis vergleicht, übersieht diesen Effekt.

Fazit

Die Trennklasse eines Datenkabels bestimmt, wie eng Energie- und Datenleitungen in Ihrem Projekt zusammenrücken dürfen, und damit direkt den Planungs- und Installationsaufwand. Ein pauschaler Abstand existiert nicht, die Norm verlangt eine projektspezifische Berechnung anhand von Trennklasse, Verlegeart und Energieverkabelung. Wer diesen Zusammenhang kennt, kann schon in der Angebotsphase realistisch einschätzen, welche Kabelqualität sich für ein Projekt lohnt.

Häufige Fragen zu Trennklassen und EN 50174-2

Was ist eine Trennklasse nach EN 50174-2?

Die Trennklasse beschreibt die Kopplungsdämpfung eines informationstechnischen Kabels, also seine Fähigkeit, elektromagnetische Einflüsse von Energiekabeln abzuschirmen. Die Norm unterscheidet vier Klassen von A bis D, wobei D die höchste Schirmwirkung bietet und A die geringste.

Welche Trennklasse hat mein Datenkabel?

Das hängt vom konkreten Kabel ab, nicht allein von der Kategorie. Herstellerangaben zur Kopplungsdämpfung geben Aufschluss, ein Kat. 6A-Kabel kann je nach Schirmaufbau Trennklasse C oder D erreichen. CobiNet gibt die relevanten Kennwerte für seine Kabel in den Datenblättern an.

Muss ich immer einen Trennsteg bei gemeinsamer Verlegung von Daten- und Energiekabeln auf einer Kabeltrasse verwenden?

Nein. Ein Trennsteg reduziert den erforderlichen Abstand zusätzlich, teils bis auf 0 mm, ist aber nicht in jedem Fall notwendig. Bei ausreichendem Abstand ohne Trennwand lässt sich die Norm auch ohne zusätzliche bauliche Maßnahmen einhalten.

Reicht ein pauschaler Abstand von zum Beispiel 200 mm für jede Installation?

Nein. Die EN 50174-2 nennt keinen festen Abstand je Trennklasse. Der tatsächlich erforderliche Wert wird über die Formel A = S × P aus Trennklasse, Verlegeart und der Leistung der Energiekabel berechnet und kann je nach Projekt zwischen 0 mm und deutlich über 200 mm liegen.

Wer berechnet den tatsächlichen Trennabstand für mein Projekt?

Die verbindliche Abstandsplanung ist Aufgabe des Elektroplaners beziehungsweise Installateurs. CobiNet liefert die technischen Kennwerte der Kabel, etwa die Kopplungsdämpfung, als Grundlage für diese Berechnung.

© CobiNet
Fernmelde- und Datennetzkomponenten GmbH

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, Weitergabe oder Veröffentlichung – auch auszugsweise – nur mit schriftlicher Genehmigung der CobiNet GmbH. Alle Angaben in diesem Report wurden sorgfältig recherchiert und entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Erstellung; für Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit wird jedoch keine Gewähr übernommen. Technische Änderungen sowie Änderungen von Normen und Produktdaten bleiben vorbehalten.


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